part of the afterhour never ends
Der erwartete Anruf kommt und das Taxi ist unterwegs. Schlüssel und Plattentasche geschnappt, ein kurzer Kontrollblick in den Spiegel – hui, nee: Dieser schwarze Schal mit den Fransen und den bunten Neonpferden geht doch nicht. Mist, also nochmal umziehen. Kapuzi an, das ist bei dem Regen bestimmt nicht verkehrt. The Kid nochmal in der Leitung und steht schon unten. Also jetzt fix, rein ins Taxi und losgedüst, daß wir eigentlich schon vor einer knappen Stunde ankommen wollten verraten wir einfach niemandem. Zuviele Gesichter an der Tür, zum Glück ist das Tor grad offen, BussiBussi und ab dafür. Im Circus ein Bild des Trauers: Das Zeltdach hängt durch, die Leiter mittendrin, scheinbar hat da jemand keine Lust mehr gehabt die Schnüre zu spannen. Der Boden steht unter Wasser, merkwürdige Objekte stehen rum, dafür sind die Sofas weg (zumindest sind sie so trocken geblieben). Das Bühnenvordach ist abmontiert, dafür hat jemand aufwändig Stoffvorhänge angebracht. Die von Stelzen Jo versprochenen Heizpilze sind nirgends zu sehen. Er selbst auch nicht und temporary unavailable. Augenzeugen berichten ihn gestern Abend sehr verschallert an der Bar gesehen zu haben. Ohkay! Auf der Bühne tummeln sich Ventilatoren, zwei sonderliche Stühle, ein Tontechniker, paar Musiker aus der Schweiz, noch wer und ein richtig großer Haufen Equipment. Wir quetschen uns auch noch rauf und sagen freundlichst ein Wort der Grußes. Die Schweizer wollen noch ein Schlagzeug auf die Bühne bauen, wir das DJ-Pult, da müssen wir wohl auf die Ventilatoren und sonderlichen Stühle verzichten, aber der Weltrekord in Sachen elektronisch-musikalisches Equipment auf fünf Quadratmetern ist schonmal in der Tasche. Wir treiben den Nightmanager auf, wenigstens einer der Mal den Überblick behält und uns mit Backstage-Bändchen und einem ersten Drink versorgt. Später bekomme ich eine neue Rolle Getränkemarken in die Hand gedrückt, irgendwann danach ein Zuckerperlen-Armband das mich zum kostenlosen Trinken ermächtigt, zumindest in meiner zum Scheitern verurteilten Welt.
“Jede Kultur die solche Feste feiert ist dem Untergang gewidmet.” meint The Kid. Ich denke unweigerlich an Rom.
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Ich renne planlos durch die Gegend, treffe irgendwann Lili, die erste dreckige Line, ein erster Dip, ein bisschen Chaos und ein Näschen Koks. The Kid fängt an die ersten Platten zu drehen. Trotz Lichtproblemen und überlasteten Runnern ist das Ding irgendwann offen.
Die Vibes zu Lili sind schräg, die Frage ob sie besser wären wenn ich ihrer frühmorgendlichen Einladung zu Ritter Butzke gefolgt wäre oder diesen gequälten Anruf am Abend zuvor gelassen hätte werde ich mir wohl nie beantworten. Im Zweifel ist es immer Selbstschutz.
Arne ist zum ersten Mal auf Acid. Mit fettem Grinsen treibt er in dem warmen Luftstrom neben dem DJ-Pult und fängt an seine Oberbekleidung auszuziehen. Stunden danach baue ich mir bruchstückhaft Teile der Geschichte zusammen: Daß er zuvor mit jemandem als Dolmetscher auf dem Amt war, auf dem Weg zurück zur Bar hätten sie das Acid geworfen, dann wäre ich irgendwann verschwunden gewesen und Glenn mit einer Blondine am quatschen, während Arne grade auf dem Partyplanet Vietnam landet und passend zum Abschlußwochenende das Dach der Bar abbrennt. Nirgends Flammen, aber überall dieser dichte Qualm. Nach der fassunglosen Frage wo wir denn überhaupt und so ganz generell wären wieder erste Anzeichen von Orientierung, als ich ihm sage, daß sich dafür die Nebelmaschine verantwortlich zeigt.
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Dann endlich mal’ne Tüte und einen Junkie-Witz später ein kleiner Disput mit einer neuen Tresenkraft. Zugegeben, ohne Propellerhut, sondern mit Fellmütze, sieht so ein aufgemalter Kringelschnurrbart ganz schick aus. Nachdem ich mit Sylvia zu ihrer großen Freude über Samt rede, hab ich’s kurz danach wieder vermasselt, weil ich den Jungen aus dem Copy Shop durch die Küche schmuggel und das angespannte Verhältnis zu Britta nicht noch mehr strapazieren will. Ich stelle fest, daß meine emotionale Intelligenz in ihren letzten Zügen liegt und trolle mich mit einer Rolle Klebeband und gepresstem Konfetti wie ein angeschlagener Hund vom Platz.
Bester Pulli-Aufdruck des Wochenendes, getragen von Harthorst höchstpersönlich: GLITZER MY ASS!
Weisse Ware